Gerbstedt Info
Sonntag, den 04. September 2011 um 12:55 Uhr

MZ-Leser berichten über ihre Erfahrungen

Geschrieben von MZ

Halle (Saale)/MZ. Unter dem Titel "Die (un)geliebte Heimat" hat die MZ vor wenigen Tagen drei Sachsen-Anhalter vorgestellt, die ihre Heimat gen Westen verlassen haben, nun aber zurückgekehrt sind oder davon träumen. Viele Leser haben reagiert, schildern eigene Erfahrungen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass auch viele Hochqualifizierte das Land verlassen. Natürlich trägt die Arbeitsplatzsituation dazu bei, da große Unternehmen, die einen guten Job und beruflichen Aufstieg ermöglichen, im Süden Sachsen-Anhalts immer noch rar sind. Dennoch sollte man andere Faktoren nicht außer Acht lassen: Theater, Kinos werden geschlossen; Restaurants, Bars und Cafés gehen pleite; in ländlichen Regionen fehlen Ärzte und öffentliche Verkehrsmittel. Wie viele Abwanderer stellen eine hohe Lebensqualität über die Verdienstmöglichkeit? Da sollte Politik ansetzen.

Ich habe Halle nach meinem Studienabschluss Ende 2010 verlassen und es bisher keine Sekunde bereut. Die Entscheidung war richtig, da ich an meinem Arbeitsplatz in Mannheim sehr gut empfangen und im neuen Wohnort freundlich aufgenommen wurde. Die Menschen sind entspannter und meist freundlicher als in Halle. Alle Behördengänge verliefen positiv. In Halle habe ich immer das Gegenteil erlebt: Mürrische, genervte Mitarbeiter in Ämtern, die ihre Arbeit weder gut noch richtig machten.

Dass ich aus dem Osten Deutschlands komme, spielt überhaupt keine Rolle. Kein Mensch redet hier schlecht über "Ossis". Das könnte daran liegen, dass ich in einem Unternehmen mit intelligenten Menschen verschiedener Nationen arbeite - für sie zählt die einzelne Person und deren Arbeitsqualität, nicht die Herkunft. Vielleicht kommt es auch darauf an, wie man sich persönlich verhält. Von Ausländerfeindlichkeit habe ich hier übrigens noch nichts mitbekommen. Möglicherweise sind die Bewohner ausgeglichener, weil es ihnen gut geht, die meisten einen Job und Freizeitbeschäftigung haben.

Sachsen-Anhalt wird immer eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen, nicht nur, weil meine Familie dort lebt. Ich bin dort aufgewachsen und denke gern an einige schöne Erlebnisse und Freunde, die früher dort lebten, zurück. Neue Heimat ist - und bleibt hoffentlich für die nächsten Jahre - die Region um Mannheim.

Janine Pazdyka, Mannheim

Ich wurde 1988 in dem Ort geboren, in dem ich auch die nächsten 19 Jahre verbringen sollte: Gerbstedt. Eine kleine Stadtgemeinde mit fast 8 000 Einwohnern in Mansfeld-Südharz. Was soll ich lügen. Glücklich war ich nie richtig darüber. Für mich stand fest: Ich muss hier weg! Vier Wochen nach dem Abitur setzte ich mich in einen Flieger Richtung USA, wo ich 13 Monate als Au Pair verbrachte und wohl die beste Zeit meines Lebens hatte. Da mir - zurück zu Hause - schon nach wenigen Monaten die sprichwörtliche Decke auf den Kopf zu fallen schien, beschloss ich mich nochmal als Au Pair zu versuchen, nur nicht so weit weg. Doch in London war es ganz anders. Ich war nicht Familienmitglied, sondern Angestellte. Daher ließ ich mich nicht lange bitten, als ich zum Assessment Center bei BMW in Frankfurt (Main) eingeladen wurde. Im Juli 2009 bin ich nach Bornheim gezogen, ein Stadtteil in Frankfurt. Dort wollte ich die nächsten zweieinhalb Jahre bleiben, bis zum Ende meiner Ausbildung. Aber ich merkte schon nach wenigen Monaten, dass Frankfurt nicht meine Zukunft sein wird. Klar, es ist immer etwas los, Arbeitslosigkeit spielt kaum eine Rolle, die interkulturelle Vielfalt ist sagenhaft. Aber Frankfurt ist auch sehr oberflächlich und kurzlebig, weshalb ich mich entschied, meine Ausbildung schon dieses Jahr zu beenden, um ein Studium in Halle aufzunehmen. Ich bereue es auch im Nachhinein nicht. Klar hätte ich wohl das große Geld im Westen verdienen können. Aber ich finde es viel schöner jeden Morgen aufzuwachen und zu wissen, dass die Menschen und Tiere, die ich liebe, ganz nah bei mir sind. Erst nachdem ich der Heimat den Rücken gekehrt habe, habe ich gemerkt, wie wertvoll sie ist. Wie sagt man? Du kannst zwar den Menschen aus der Kleinstadt holen, aber niemals die Kleinstadt aus dem Menschen.

Susann Jordan, Gerbstedt

Auch wir sind Rückkehrer, beide 48 / 49 Jahre alt. Mein Mann ist aus beruflichen Gründen nach Leuna versetzt worden und ich musste mit. Ich habe 16 Jahre in Hannover gelebt. Der Anfang war etwas schwer, aber Lästereien oder Ähnliches gab es nie, ganz im Gegenteil, ich wurde immer nett aufgenommen. Ich habe Freunde gefunden und hatte einen Job im öffentlichen Dienst. Mittlerweile leben wir schon ein halbes Jahr in Braunsbedra, fühlen uns wohl, aber Heimweh nach Hannover habe ich immer noch. Ich bin hier auch wieder berufstätig, habe ein nettes Team gefunden, aber die Mentalität der Sachsen-Anhalter - damit komme ich noch nicht so klar. Viele sind total unzufrieden, meckern und kommen mit ihrem Leben nicht zurecht, sind einfach muffelig. Aber kommt man ihnen mit einem Lächeln entgegen, dann ist alles super.

Heike Heyd, Braunsbedra

Montag, den 08. August 2011 um 11:14 Uhr

Viel Zuversicht auf dem Ziegenhof

Geschrieben von MZ

Pfeiffhausen/MZ. Die Spuren des Großbrandes, der am 5. Mai einen Teil des Ziegenhofes Pfeiffhausen zerstörte, sind auf dem Hof zwar immer noch allgegenwärtig. Doch es werden täglich weniger. "Die Brandsanierung ist fast abgeschlossen", sagt Wilfried Voigt, der darauf hofft, bis Anfang nächsten Jahres den Wiederaufbau seines Anwesens zum Abschluss zu bringen. Während Arbeiter in dem großen Stall noch damit beschäftigt sind, Brandspuren zu beseitigen, richtet Voigt bereits den Blick nach vorn. "Wenn das Dach erst wieder

zu ist, haben wir keine Probleme mehr", sagt er.

Das Dach ist für ihn das Wichtigste. Doch bevor es in Angriff genommen werden kann, muss noch alles seinen behördlichen Gang gehen. "Sobald die Baugenehmigung da ist, geht es los", kündigte der in Köln lebende Eigentümer an, dessen Wurzeln sich jedoch in Pfeiffhausen befinden.

Großvater war Bürgermeister


Wilfried Voigt wurde 1943 auf dem Hof geboren, sein Großvater war in der Gemeinde, die kaum mehr als 60 bis 80 Einwohner zählte, vor dem Krieg Bürgermeister. Er stammte aus dem benachbarten Thaldorf, das heute wie Pfeiffhausen ein Ortsteil von Ihlewitz ist, also zur Stadt Gerbstedt gehört.

Es gibt sehr viel Vergangenes, was Wilfried Voigt mit Pfeiffhausen verbindet. 1951 musste er als Neunjähriger erleben, wie seine Familie enteignet wurde. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. "Für uns hieß es damals: Ab in den Westen", erinnert sich Voigt, der dort Kaufmann geworden ist, zunächst bei Siemens, dann in den Johannes Seniorendienste e.V., deren Vorstandsvorsitzender er viele Jahre war.

Jetzt lebt er zwar im Ruhestand, ist aber weit davon entfernt, die Hände in den Schoß zu legen. Nicht zuletzt nimmt ihn der Ziegenhof in Anspruch, dessen Wiederaufbau nach dem Brandunglück für ihn immer außer Frage stand. Wieviel es kosten wird, sämtliche Schäden zu beheben, vermag er zwar immer noch nicht genau zu sagen, aber mit 300 000 bis 350 000 Euro in etwa rechnet er schon.

Montag, den 13. Juni 2011 um 09:39 Uhr

Einwohner spendieren ihre alten Kaffeekannen

Geschrieben von MZ

POLLEBEN/MZ/BZ. Kaffeekannen in allen möglichen Formen werden ab Pfingstmontag im romanischen Turm der ehemaligen Polleber Kirche neben der alten Schule gezeigt. Es handelt sich durchweg um Geschirr, das bis vor einigen Jahren oder Jahrzehnten in Gerbstedt und Umgebung im Gebrauch war. "Meißner Porzellan ist nicht dabei", räumt Manfred Alsleben ein, der Begründer der Polleber Heimatstube, die aus ihrem Fundus noch ein paar Teekannen und einen Teewagen beisteuert.

Wie es zu der Ausstellung kam, die voraussichtlich vier Wochen im Kirchturm bleiben wird? Alsleben erhielt vor ein paar Tagen einen Anruf aus Gerbstedt, in dem auf die Sammlung aufmerksam gemacht wurde, die nach einem Aufruf im Gerbstedter Amtsblatt entstand. Darin wurden Einwohner gebeten, nicht mehr benötigte Kaffeekannen dem Heimatmuseum zur Verfügung zu stellen.

Das Echo darauf war beachtlich, ungefähr 150 Kannen wurden entweder abgegeben oder standen zur Abholung bereit. Wobei die eine oder andere Kanne Besuchern möglicherweise bekannt vorkommen könnte, denn die Exponate aus DDR-Produktion gehörten bis vor gar nicht allzu langer Zeit mit zum Alltag in den hiesigen Wohnzimmern. Der Eintritt in den malerischen Kirchturm ist frei. Manfred Alsleben, Adolf Mittelstedt und Ingrid Feibig, die ehrenamtlich die Heimatstube betreuen, würden sich freuen, wenn die eine oder andere Spende für den Erhalt des alten Stephanusturms in der Sparbüchse landet.

Mittwoch, den 01. Juni 2011 um 09:34 Uhr

Raupen fressen ungefähr 100 Bäume kahl

Geschrieben von MZ

HETTSTEDT/MZ. Wenn Barbara Olze auf der Straße zwischen Gerbstedt und Hettstedt unterwegs ist, dann blutet ihr das Herz. Weil so viele Bäume am Straßenrand regelrecht kahl gefressen sind. Hier tummeln sich massenhaft Raupen, die kaum ein Blatt übrig lassen. "Ich finde das schade", sagte die Vorsitzende des Stadtrates der Einheitsgemeinde Gerbstedt und Ortsbürgermeisterin von Ihlewitz, die es bedauert, dass sich offenbar keiner für die Bäume zuständig fühlt und nicht zu erkennen ist, dass jemand in dieser Angelegenheit tätig wird.

Im benachbarten Hettstedt weiß man noch gar nichts von einer Raupenplage, doch Mitarbeiter des Ordnungsamtes versicherten, dass umgehend geprüft werde, ob im Stadtgebiet und den Ortsteilen Bäume befallen seien.

In dem für Straßenbäume zuständigen Landesbetrieb Bau, Niederlassung Süd, in Halle war zu erfahren, dass zwischen Gerbstedt und Hettstedt etwa 100 Kirsch- beziehungsweise Birnbäume von dem Schädlingsbefall betroffen seien. "Im Moment können wir gar nichts machen", sagt Niederlassungsleiterin Petra Witte. Im April, als Bekämpfungsmaßnahmen sinnvoll gewesen wären, gab es noch keinen Hinweis auf die Schädlinge. Es sei jedoch vorgesehen, Ende August in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde Maßnahmen einzuleiten, sprich die Bäume zu spritzen

Freitag, den 13. Mai 2011 um 06:49 Uhr

Traktor «ZT 300» sorgt für Aufsehen

Geschrieben von MZ

ROTTELSDORF/MZ. Davon haben die Schlepperfreunde aus Rottelsdorf geträumt. Als Mitglieder des Vereins mit alter Landmaschinentechnik bei der Agra in Leipzig aufgefahren waren, trafen sie den ehemaligen Chefkonstrukteur für DDR-Traktoren der ZT-Reihe. Der heute 82-jährige Reiner Blumenthal, der von 1963 bis 1990 im Werk in Schönebeck tätig war, hatte den Schlepperfreunden viel zu erzählen. "Mit ihm zu fachsimpeln, das waren für mich wertvolle Stunden", berichtete Günter Funke, Schlepperfreund und Vereinschef aus Rottelsdorf, jetzt nach der Rückkehr von der Messe.

Fachsimpeln über Technik

Es sei höchst interessant gewesen, von diesem Mann noch Neues über die Geschichte der DDR-Technik erfahren zu haben. "Das war auch für die Reparaturen und Instandhaltung unserer alten Technik von Bedeutung", sagte Funke.

Da sich die Schlepperfreunde bereits einen Namen gemacht haben und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind, wurden sie

auch in diesem Jahr zur Landwirtschaftsmesse nach Leipzig eingeladen. Dort stellten sie seltene und alte Traktoren aus. "Besonders der Traktor ZT 300 von 1973 zog auf der Messe die Blicke auf sich", erzählt Funke, während er gemeinsam mit Horst Lampe, ebenfalls Schlepperfreund, in Rotteldorf gerade dabei ist, die wertvolle Fracht von seinem Hänger abzuladen.

Jedes Jahr werden auf der Messe neben der neusten und modernsten Technik auch ältere landwirtschaftliche Gerätschaften gezeigt. Auf der diesjährigen Messe, die am vergangenen Sonntag zu Ende ging, standen Traktoren aus dem früheren ZT-Werk in Schönebeck im Mittelpunkt. Und da die Schlepperfreunde in ihrem beachtlichen Fundus etwa 80 Traktoren ihr Eigen nennen, bereicherten sie die Messe mit vier sehr seltenen Prototypen aus DDR-Zeiten.

Einer war der Traktor ZT 300 von 1973. Er rollt nicht wie gewohnt auf vier Rädern, sondern läuft auf Ketten. Ursprünglich wurde er für die schweren Böden im Oderbruch entwickelt. Von diesem Gleisbandschlepper wurden zu DDR-Zeiten lediglich 78 Stück hergestellt. Heute gibt es weltweit nur noch sieben fahrfähige Modelle, von denen zwei bei den Schlepperfreunden stehen.

Mittwoch, den 02. Februar 2011 um 11:06 Uhr

Mit dem Traktor ins Eheglück

Geschrieben von MZ

hochzeit Landwirt Jan Bröder fährt mit seiner Braut zum Ort des Kennenlernens.

heiligenthal/mz - Für den Hingu­cker des Tages sorgten Jan Bröder und seine Frau Stephanie Stein-bach-Bröder. Die jungen Eheleute stiegen nach ihrer Trauung am Montag im Gerbstedter Standes­amt in einen mit weißen Rosen ge­schmückten Traktor und fuhren über Land zum Festtagsschmaus.

Ihr Ziel war der „Mansfelder Hof" in Eisleben. Dafür gab es einen trif­tigen Grund. Auf den Tag genau vor acht Jahren hatten sie sich in die­sem Restaurant beim Tanzen ken­nen gelernt. Sie war mit einer Freundin dort, er mit seinen Fuß­ballfreunden vom SV Teutonia Siersleben. Es war Liebe auf den ersten Blick. „Ich wollte ihn haben und sprach ihn an", erinnert sich die 28-jährige Stephanie Stein-
bach-Bröder an die für ihr weiteres Leben alles entscheidende Begeg­nung. Seitdem sind die Floristin und der Landwirt ein unzertrennli­ches Paar.


Jetzt, nach acht Jahren zu heira­ten, war eine genauso spontane Entscheidung wie damals, als die heutige Ehefrau ihren Auserwähl­ten kurzerhand ansprach. „Für uns ist der Zeitpunkt der Hochzeit per­fekt", findet Jan Bröder. Sie hätten sich mit Tochter Lucy Charlot gut eingerichtet in ihrem Häuschen in Heiligenthal, in das sie vor einem Jahr eingezogen seien. Dort wollen sie im Sommer auch noch einmal in großer Runde mit ihren Freunden auf das junge Eheglück anstoßen.

Sonntag, den 23. Januar 2011 um 10:18 Uhr

Sky allein auf der Bühne

Geschrieben von MZ

HETTSTEDT/MZ. "Männer bestehen zu 85 Prozent aus Manneskraft, fünf Prozent aus inneren Organen und zehn Prozent aus Muskelkraft", so der witzige Einstieg der Buchlesung mit Sky du Mont am Samstagabend im Klubhaus in Hettstedt und schon bei diesen Zeilen machte sich Erheiterung unter dem Publikum breit.

Der 63-jährige in Buenos Aires geborene Schauspieler las aus seinem neuesten Buch, "Unsere tägliche Krise gib uns heute". Ursprünglich macht er diese Buchlesung gemeinsam mit seiner Frau Mirja. Diese war an diesen Abend leider krankheitsbedingt verhindert. "Ich habe lange überlegt, ob ich diese Veranstaltung absagen sollte, aber ich wollte das Hettstedter Publikum nicht vor den Kopf stoßen", meinte Sky du Mont nach der Veranstaltung und so war dieser Abend eine Premiere, denn eine Lesung ohne seine Frau gab es noch nie.

Bei den Geschichten die er zum Besten gab, ging es um den Ehealltag zwischen ihm und seiner Frau, quasi eine Art Szenen einer Ehe aus dem Haus du Mont. Beginnend mit dem Kennenlernen oder dem ersten verunglückten Heiratsantrag in Boxershorts bis hin zum Schnarchen oder Schlafraub, erzählte er mit charmanter Stimme. Der unter anderem aus dem Film "Der Schuh des Manitu" bekannte Schauspieler schrieb das Buch gemeinsam mit seiner Frau und plauderte aus dem privaten Nähkästchen. Jeder stellte dabei seine ganz persönliche Sicht der Dinge dar und die ist, es liegt auf der Hand, eine völlig unterschiedliche.

Samstag, den 01. Januar 2011 um 12:22 Uhr

Landwirt holt Schwangere aus eingeschneitem Ort

Geschrieben von MZ
LOCHWITZ/MZ. Das war eine Aufregung in Lochwitz: Und der, um den es in der Hauptsache ging, hat davon am wenigsten mitbekommen. Lennard Otto Augustin, am vergangenen Sonntag, 26. Dezember 2010, 9.32 Uhr mit einem Gewicht von 3 660 Gramm im halleschen Elisabeth-Krankenhaus geboren.

Doch dass am Ende bei der Geburt alles gut verlaufen konnte, daran hatten zahlreiche Helfer eine Aktie. Am Nachmittag des 25. Dezembers hatte Lennard Otto deutlich gemacht, dass er die Zeit nun langsam für gekommen hält, sich seinen Eltern Michael Hesse (26) und Elisabeth Augustin (22) persönlich vorzustellen. Was er freilich nicht wusste. Die starken Schneefälle in der Nacht zum ersten Feiertag hatten dafür gesorgt, dass man mit dem Auto weder in den kleinen Ort Lochwitz gelangte, noch ihn verlassen konnte. "Ich bin schon am Vormittag bis zum Bauch im Schnee versunken", sagt Michael Hesse.

Mittwoch, den 15. Dezember 2010 um 12:51 Uhr

Show und Fettbemmen für die Fans

Geschrieben von MZ
EISLEBEN/MZ. Auf der kleinen Insel, links von Sumatra, da müssen sie wohnen. Woher wüssten sie sonst alles über diese Handkanten-Orang-Utans, die eine ganze Schiffsladung Dachziegel (Frankfurter Pfanne) kaputt jeschlahn ham. "Das ist doch alles nur Jegahkle", würde Sven da wohl erwidern.

Nein, Sven und Gilli wohnen nicht in fernen Ländern, obwohl sie so etwas wie Exoten sind. Jeder glaubt sie zu kennen oder etwas über sie zu wissen. Doch nur Freunde haben je mit ihnen auf der heimischen Couch gesessen. Und das soll auch so bleiben. "Unser Privatleben geht keinen was an", sagt Gilli, 35, und gelernter Klempner. Obwohl er einmal, ganz am Anfang des Gesprächs, sagt: "Wir sind Ingenieure." Da hat er vielleicht nicht ganz Unrecht. Denn gebe es so etwas wie einen Ingenieur für Unterhaltungskunst, der Titel müsste den beiden vom Duo "Elsterglanz" ehrenhalber verliehen werden. Fast 40000 Besucher sahen in diesem Jahr die 38 Auftritte der beiden. Allein mehr als 4000 davon kamen zu den drei Vorstellungen in der Eisleber Tennishalle.

Wie sie sich selber sehen? "Ja, was sind wir eigentlich?", fragt Sven. Und sinniert. Ohne allerdings zu einem Ergebnis zu kommen. "Die Leute sollen einfach nur Spaß haben. Dann haben wir ihn auch", sagt er. "Die Magie muss stimmen." Wobei dass mit der Magie so eine Sache ist, wie Gilli weiß.

Denn an seine Jeanette, die im Netto an der Kasse sitzt, kommt er nicht ran. Netto-Verbot, Deutschland weit. Also flugs das Buch "Schwarze Magie leicht gemacht" zur Hand genommen und nach Wegen gesucht. Aber wieso eigentlich beschreiben wollen, was Zehntausende in diesem Jahr gesehen haben. Erstens ist die Tour vorbei und zweitens lässt sich das Programm "Die Brutalität im Weltall nimmt zu" genau so wenig beschreiben, wie man Gras wachsen hört. Man muss es einfach nur erlebt haben.

Dabei wollten Sven Wittek (39) und Gilbert Rödiger (35), die sich "schon ewig" kennen, eigentlich mal mit Freunden als Rockband auf der Bühne stehen. Doch irgendwie kam es anders. "Wir haben schon immer mal rumgeblödelt", erzählt Gilli. Und zu Weihnachten gab es für die Freunde eine Tonbandkassette mit schrägen Geschichtchen. "Das hatte aber noch nichts mit Elsterglanz zu tun", sagt Sven. Das mit den Späßen ging auch dann weiter, als beide der Arbeit wegen 1997 nach Wiesbaden zogen. Aus Kassetten wurden CDs. Aber immer nur Weihnachten. Und immer nur zehn Stück für die guten Freunde. Doch irgendwie müssen die Tonträger ein ungeahntes Eigenleben entwickelt haben. Dank Internet schien bald die halbe Welt "Elsterglanz" zu kennen. Wer als erster meinte, sie sollen doch mit ihren Sachen auf die Bühne gehen, weiß keiner mehr. Aber beide sträubten sich viele Jahre heftig. "Wir haben uns das einfach nicht vorstellen können. Wenn du im Studio sitzt, kannst du alles, was dir nicht gefällt, wieder löschen. Aber live muss es ja passen", erzählt Sven.


Freitag, den 03. Dezember 2010 um 21:29 Uhr

Zum Artikel "Erkundungen in der Tiefe"

Geschrieben von Kunze, Frank
FK. Als ich diesen Artikel las, war ich mal wieder sehr erstaunt und zwar nicht über das eigentliche Ereignis, sondern über den Inhalt. Da ich diese Baustelle dort selbst betreue muss ich da einfach ein wenig richtig stellen.
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