Mittwoch, den 14. September 2011 um 13:21 Uhr

Hilferufe aus Pfeiffhausen

Geschrieben von  MZ
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PFEIFFHAUSEN/MZ. Der Jazz-Sängerin Tanja Pannier, die schon viele internationale Preise gewonnen hat, stehen die Tränen in den Augen. Nein, sie will nicht weinen. Jetzt nicht. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie unverzüglich von Berlin nach Pfeiffhausen (Landkreis Mansfeld-Südharz) geeilt, um ihren Eltern nach der verheerenden Schlammflut zu helfen. "Das Wichtigste ist, dass sie noch leben", sagt sie. Alles andere werde sich finden. "Wir kriegen das schon wieder hin", macht sie sich Mut.

Ihr Bruder Matthias, der aus Stockholm gekommen ist, um mit anzupacken, hat die Schaufel beiseite gestellt. Er ist in Halle und bemüht sich dort um die Reparatur des Telefons. Denn ohne Telefon sind die Eheleute Elisabeth und Dieter Pannier aufgeschmissen.

Ihr Bungalow steht außerhalb des Ortes an der Straße zwischen Friedeburgerhütte und Pfeiffhausen. Einen Ziegenhof, der dort liegt, hat es besonders hart getroffen. Im Frühjahr war er abgebrannt, durch das Unwetter ist nun die Straße dorthin teilweise weggespült. "Ich war erschüttert, als ich gesehen habe, was sich in Pfeiffhausen abgespielt hat", sagte Wilfried Vogt, Eigentümer des Grundstückes, der MZ. Er ist froh, dass die Tiere des Hofes das Unwetter gut überstanden haben.

Das lässt sich von den Orten an der Grenze zum Salzlandkreis, die zur Stadt Gerbstedt gehören, nicht sagen. Die Verwüstung, die die Gewitterfront allein in dem kleinen Ort Pfeiffhausen mit etwa 20 Einwohnern hinterlassen hat, war auch am Dienstag noch nicht zu überblicken. Auch in den anderen Dörfern in dieser Gegend wussten viele nicht, wo sie zuerst mit dem Aufräumen anfangen sollten.

In ihrer Not hat Barbara Olze (CDU), die Ortsbürgermeisterin von Ihlewitz, über die Medien einen Hilferuf abgesetzt. Händeringend rief sie nach Technik und Männern, "die mit anpacken", um der Schlammmassen Herr zu werden. Sie selbst war den ganzen Tag mit der Schubkarre unterwegs. Und sie erhielt tatsächlich Beistand. Privatfirmen und Landwirte stellten Technik zur Verfügung. Ein Krisenstab des Landkreises, der in Pfeiffhausen eingerichtet wurde, koordinierte die Einsätze. Sogar fremde Leute, die den Hilferuf der Ihlewitzer Ortsbürgermeisterin gehört hatten, kamen mit Arbeitssachen, um in den verwüsteten Dörfern entlang der Schlenze beim Aufräumen mit zu helfen.

Die Eheleute Pannier, deren beschädigter Bungalow unbewohnbar ist, sind für die Nacht bei Freunden untergekommen. Von der Werkstatt ist nur ein Haufen Schutt geblieben, den sie nach Brauchbarem durchsucht haben. Die Lage ist immer noch verzweifelt, aber nicht hoffnungslos. Am Mittwoch soll mit der Reparatur der kaputten Straßen begonnen werden.

MZ

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