MZ

Freitag, den 21. Oktober 2011 um 11:09 Uhr

Schock im Morgengrauen

Halle (Saale)/MZ. Schock in der Morgenstunde für eine MZ-Zustellerin in Friedeburgerhütte, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Als sie nämlich in aller Herrgottsfrühe im Dorf den Hüttenberg hinauffuhr, um dort die Zeitungen in die Haushalte zu bringen, gab es plötzlich einen fürchterlichen Rums, und ihr Auto saß fest, Totalschaden. Es war mit lautem Knall auf der Straße eingebrochen, wo sich ein Loch aufgetan hatte, dessen Ausmaße in der Dunkelheit gar nicht zu überblicken waren.

Ob die Frau überhaupt mitbekam, dass es unter dem Auto mehrere Meter in die Tiefe ging, vermochte am Donnerstag vor Ort keiner zu sagen. Nachbarn berichteten, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Laut Polizei, die überdies von "knackenden Geräuschen" sprach, die eine mögliche Verbreiterung der Gefahrenstelle befürchten ließen, steht sie unter Schock. Im Erdreich gurgelte Wasser, weil ein Rohr gebrochen war. Das kühle Nass verschwand unterirdisch und spülte unterhalb des Hanges einen Keller voll Schlamm.

Die Feuerwehr Adendorf wurde alarmiert, ebenso die Midewa, die im Ort das Wasser abdrehte und die Reparatur begann, die noch am selben Tag zum Abschluss gebracht wurde. Die Feuerwehr übernahm Sicherungsaufgaben rund um den Einsatzort. "Mehr konnten wir nicht machen", sagte Wehrleiter Horst Lehmer, der zur Ursache des Straßeneinbruchs ebenso wenig sagen konnte wie Mitarbeiter des geologischen Landesamtes.

Auch für Jürgen Reinhardt, den Technischen Leiter der Midewa-Niederlassung in Eisleben, ist die Ursache völlig unklar. Für ihn kommt es erst einmal darauf an, eine Notleitung zu bauen, damit der Ort binnen Stunden wieder an die Wasserversorgung angeschlossen werden kann. Fürs erste schickte er einen Wasserwagen durch den Ort, um die Einwohner mit dem nötigsten zu versorgen. "Egal, was die Ursache war, wir beheben erst einmal den Schaden", sagte er.

Dienstag, den 11. Oktober 2011 um 11:05 Uhr

Neubau weckt frische Kräfte

SIERSLEBEN/MZ. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Siersleben haben am Wochenende ihr neues Gerätehaus in Besitz genommen. Zur Feier des Tages gab es neben dem überdimensionalen symbolischen Schlüssel, den Bürgermeister Siegfried Schwarz (CDU) überreichte, auch jede Menge Blumen.

Für reichlich eine halbe Million Euro ist in Nachbarschaft des alten, viel kleinen Feuerwehrhauses eine Unterkunft geschaffen worden, die den Blauröcken um Wehrleiter Franz Wanka erstmals Bedingungen bietet, die dem heute üblichen Standart entsprechen. Die Siersleber, die in ihrem alten, in den 1930er Jahren errichteten Domizil noch nicht einmal über Duschen verfügten, hatten zwar sich noch vor zwei Jahren einen Neubau mit allem Drum und Dran erhofft, weil das alte Gerätehaus keinerlei Möglichkeiten zur Erweiterung bot. Doch dieses Vorhaben wäre nur mit 700 000 Euro Fördermitteln zu realisieren gewesen, eine Summe, die nicht zu beschaffen war. Deshalb hatte der Stadtrat Gerbstedt vor einem reichlichen Jahr beschlossen, eine "abgespeckte Variante" auf den Weg zu bringen, weil Verbesserungen für die Feuerwehr keinen weiteren Aufschub duldeten.

Die Bedingungen im Altbau waren eine einzige Katastrophe, begründete Bürgermeister Schwarz die Anstrengungen für das Projekt, das auf den ersten Blick wie ein Neubau aussieht, tatsächlich jedoch ein umgebautes Stallgebäude ist, das zur Ergänzung noch einen Anbau für die Unterbringung der Feuerwehrtechnik erhielt. "Das ist eine ordentliche Lösung", so Schwarz. Wehrleiter Franz Wanka pflichtete bei. Er hob hervor, dass trotz der widrigen Bedingungen, die die Angehörigen der Wehr in der Vergangenheit zu meistern hatten, kein Mitglied die Flinte ins Korn geworfen habe. Alle sind bei der Stange geblieben, was auch Ortsbürgermeister Lutz Sommer (Freie Wähler) den Blauröcken hoch anrechnet.

Samstag, den 01. Oktober 2011 um 11:02 Uhr

Flut hat einiges aufgewühlt

GERBSTEDT/MZ. Am Mittwoch ist in Gerbstedt die lang ersehnte Verstärkung eingetroffen, die gebraucht wird, um die Folgen der Schlammflut vom 11. September bewältigen zu können. Das Jobcenter Mansfeld-Südharz hat auf Antrag der Stadt kurzfristig 20 Arbeitskräfte für zwei Monate bereit gestellt. Sie sollen in den Ortschaften Gerbstedt, Zabenstedt, Friedeburgerhütte, Ihlewitz und Freist beim Aufräumen helfen.

"Mit unseren eigenen Kräften wäre es nicht zu schaffen, den Zustand, wie er vor der Flut war, wieder herzustellen", sagte Bürgermeister Siegfried Schwarz (CDU) am Dienstagabend im Stadtrat. Trotzdem werde es wohl Wochen dauern, bis alles wieder so ist, wie es war. Barbara Olze (CDU), die Vorsitzende des Stadtrates, schätzt gar, dass es noch länger dauern könnte. "Es gibt noch so viel Arbeit", sagte Olze, die zugleich Ortsbürgermeisterin von Ihlewitz ist. Sie wäre froh gewesen, "wenn wir nach dem Unwetter Katastrophenalarm gehabt hätten, wenn Hilfe von der Bundeswehr gekommen wäre." Doch das ist nicht passiert, die gesetzlichen Bedingungen dafür seien für Landrat Dirk Schatz (CDU) nicht erfüllt gewesen, wie die Kreisverwaltung am Mittwoch auf Anfrage erklärte.

Bürgermeister Schwarz dankte dem Landrat ausdrücklich, weil dieser am Tag des Unwetters das Technische Hilfswerk nach Friedeburgerhütte gerufen hat und dort einen Krisenstab einrichten ließ. Er unterstrich, dass die Einsatzkräfte "bis an die Grenze des Machbaren" gegangen seien. Kein Verständnis zeigte er jedoch dafür, dass nicht ein einziger Abgeordneter des Wahlkreises nach der Flut in Gerbstedt von sich hören ließ.

Mittwoch, den 14. September 2011 um 13:21 Uhr

Hilferufe aus Pfeiffhausen

PFEIFFHAUSEN/MZ. Der Jazz-Sängerin Tanja Pannier, die schon viele internationale Preise gewonnen hat, stehen die Tränen in den Augen. Nein, sie will nicht weinen. Jetzt nicht. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie unverzüglich von Berlin nach Pfeiffhausen (Landkreis Mansfeld-Südharz) geeilt, um ihren Eltern nach der verheerenden Schlammflut zu helfen. "Das Wichtigste ist, dass sie noch leben", sagt sie. Alles andere werde sich finden. "Wir kriegen das schon wieder hin", macht sie sich Mut.

Ihr Bruder Matthias, der aus Stockholm gekommen ist, um mit anzupacken, hat die Schaufel beiseite gestellt. Er ist in Halle und bemüht sich dort um die Reparatur des Telefons. Denn ohne Telefon sind die Eheleute Elisabeth und Dieter Pannier aufgeschmissen.

Ihr Bungalow steht außerhalb des Ortes an der Straße zwischen Friedeburgerhütte und Pfeiffhausen. Einen Ziegenhof, der dort liegt, hat es besonders hart getroffen. Im Frühjahr war er abgebrannt, durch das Unwetter ist nun die Straße dorthin teilweise weggespült. "Ich war erschüttert, als ich gesehen habe, was sich in Pfeiffhausen abgespielt hat", sagte Wilfried Vogt, Eigentümer des Grundstückes, der MZ. Er ist froh, dass die Tiere des Hofes das Unwetter gut überstanden haben.

Das lässt sich von den Orten an der Grenze zum Salzlandkreis, die zur Stadt Gerbstedt gehören, nicht sagen. Die Verwüstung, die die Gewitterfront allein in dem kleinen Ort Pfeiffhausen mit etwa 20 Einwohnern hinterlassen hat, war auch am Dienstag noch nicht zu überblicken. Auch in den anderen Dörfern in dieser Gegend wussten viele nicht, wo sie zuerst mit dem Aufräumen anfangen sollten.

In ihrer Not hat Barbara Olze (CDU), die Ortsbürgermeisterin von Ihlewitz, über die Medien einen Hilferuf abgesetzt. Händeringend rief sie nach Technik und Männern, "die mit anpacken", um der Schlammmassen Herr zu werden. Sie selbst war den ganzen Tag mit der Schubkarre unterwegs. Und sie erhielt tatsächlich Beistand. Privatfirmen und Landwirte stellten Technik zur Verfügung. Ein Krisenstab des Landkreises, der in Pfeiffhausen eingerichtet wurde, koordinierte die Einsätze. Sogar fremde Leute, die den Hilferuf der Ihlewitzer Ortsbürgermeisterin gehört hatten, kamen mit Arbeitssachen, um in den verwüsteten Dörfern entlang der Schlenze beim Aufräumen mit zu helfen.

Mittwoch, den 14. September 2011 um 13:19 Uhr

Straße zum Ziegenhof in Pfeiffhausen ist weggespült

GERBSTEDT/MZ. Wieder einmal hat im Mansfelder Land eine Schlammwalze für Zerstörungen gesorgt. Zum dritten Mal binnen zweier Wochen mussten Einwohner um ihr Hab und Gut fürchten. Betroffen waren diesmal besonders Orte in der Einheitsgemeinde Gerbstedt. Dort war am Sonntagabend ein heftiges Gewitter niedergegangen.

Ein Bild der Verwüstung bietet sich besonders in dem kleinen Ort Pfeiffhausen. Ein Teil der Straße hoch zum Ziegenhof ist regelrecht weggespült worden. Ganz in der Nähe wohnt die Familie Pannier. Der Carport wurde demoliert, das kleberige Wasser-Schlamm-Gemisch hat fünf Schafe mit sich gerissen. "Sogar der Traktor konnte der Gewalt nicht widerstehen", berichtete Elisabeth Pannier.

Das Fahrzeug wurde im Nachbarort Friedeburgerhütte wieder gefunden. "Das ist schockierend, wenn man die Schäden sieht", rang ihr Ehmann Dieter Pannier um Fassung. Ein Einsatzstab des Landkreises hat am Montag die Schäden in Augenschein genommen. Jetzt werde geprüft, welche Maßnahmen dort ergriffen werden, hieß es von der Kreisverwaltung.

Heftig erwischt hat es auch den ehemaligen Gutshof in Adendorf. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Jana Paßler, die in dem Gebäude wohnt. Sie habe mit gemischten Gefühlen während des Gewitters aus dem Fenster geschaut. "Da hat man keine fünf Zentimeter Sicht gehabt." Die Schlammwalze drängte aus Richtung Hauptstraße auf den Gutshof. Ihren beiden Söhnen Markus und Thomas hat sie am Montag schulfrei gegeben. Denn es war ja am Morgen unklar, ob Autos überhaupt fahren können.

Sonntag, den 04. September 2011 um 13:04 Uhr

Schlamm stoppt die Saison vorzeitig

EISLEBEN/MZ. Der durchwachsene Sommer hat die Bilanz in den Freibädern des Mansfelder Landes verhagelt. Bei den Besucherzahlen wurde ein Rückgang von bis zu 50 Prozent verzeichnet. Genaue Zahlen über die Einnahmeverluste liegen noch nicht vor. Ein Teil der Freibäder hat mittlerweile schon geschlossen.

So auch das Waldbad in Alterode. Eigentlich war geplant, dass die Saison dort erst am 30. August endet. Aber das Unwetter in der vergangenen Woche hat diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Dadurch ist Schlamm in das Becken geraten", sagt Bademeister Siegfried Amme. Ein Badebetrieb sei nicht mehr möglich gewesen. Vielmehr müsse man das Wasser ablaufen lassen, um die Becken wieder zu reinigen. Die Einnahmen, die man sich bis zum 30. August noch erhofft hat, würden freilich fehlen. "Das Geld hätte man gut für Reparaturen einsetzen können", so Siegfried Amme.

Auch das Eisleber Freibad ist bereits dicht. Dort wurden am vergangenen Sonntag die letzten Gäste begrüßt. Die Schließung erfolgte dort allerdings nach Plan. Wirtschaftlich sei die Badesaison schlecht gewesen. Auch wenn noch keine endgültigen Zahlen vorliegen, sei eines klar. "So wenig Besucher hatten wir in den elf Jahren, seit es den Eigenbetrieb gibt, noch nie", sagt Siegmund Michalski, Leiter des Eigenbetriebes Bäder.

Im Mühlenbad in Großörner werden die Pforten am 5. September geschlossen. "Eigentlich sollte die Saison ein wenig länger dauern, aber bei dieser Witterung hat dies keinen Sinn", sagt der für Bäder zuständige Amtsleiter Thorsten Oemler. Für das Ende der Woche haben die Meteorologen noch einmal steigende Temperaturen vorausgesagt. Diese wärmeren Tage bis zum Sonntag wolle man noch mitnehmen, dann sei aber Schluss. Laut Bernd Meyer, Schwimmmeister im Mühlenbad, seien im Vergleich zum Vorjahr zwischen 50 und 60 Prozent weniger Besucher gezählt worden. Dadurch, dass die Nächte jetzt verhältnismäßig kalt sind, kühle das Wasser auch schnell ab. Und wenn es dann eine bestimmte Grenze erreicht hat, wolle keiner mehr schwimmen.

Sonntag, den 04. September 2011 um 12:55 Uhr

MZ-Leser berichten über ihre Erfahrungen

Halle (Saale)/MZ. Unter dem Titel "Die (un)geliebte Heimat" hat die MZ vor wenigen Tagen drei Sachsen-Anhalter vorgestellt, die ihre Heimat gen Westen verlassen haben, nun aber zurückgekehrt sind oder davon träumen. Viele Leser haben reagiert, schildern eigene Erfahrungen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass auch viele Hochqualifizierte das Land verlassen. Natürlich trägt die Arbeitsplatzsituation dazu bei, da große Unternehmen, die einen guten Job und beruflichen Aufstieg ermöglichen, im Süden Sachsen-Anhalts immer noch rar sind. Dennoch sollte man andere Faktoren nicht außer Acht lassen: Theater, Kinos werden geschlossen; Restaurants, Bars und Cafés gehen pleite; in ländlichen Regionen fehlen Ärzte und öffentliche Verkehrsmittel. Wie viele Abwanderer stellen eine hohe Lebensqualität über die Verdienstmöglichkeit? Da sollte Politik ansetzen.

Ich habe Halle nach meinem Studienabschluss Ende 2010 verlassen und es bisher keine Sekunde bereut. Die Entscheidung war richtig, da ich an meinem Arbeitsplatz in Mannheim sehr gut empfangen und im neuen Wohnort freundlich aufgenommen wurde. Die Menschen sind entspannter und meist freundlicher als in Halle. Alle Behördengänge verliefen positiv. In Halle habe ich immer das Gegenteil erlebt: Mürrische, genervte Mitarbeiter in Ämtern, die ihre Arbeit weder gut noch richtig machten.

Dass ich aus dem Osten Deutschlands komme, spielt überhaupt keine Rolle. Kein Mensch redet hier schlecht über "Ossis". Das könnte daran liegen, dass ich in einem Unternehmen mit intelligenten Menschen verschiedener Nationen arbeite - für sie zählt die einzelne Person und deren Arbeitsqualität, nicht die Herkunft. Vielleicht kommt es auch darauf an, wie man sich persönlich verhält. Von Ausländerfeindlichkeit habe ich hier übrigens noch nichts mitbekommen. Möglicherweise sind die Bewohner ausgeglichener, weil es ihnen gut geht, die meisten einen Job und Freizeitbeschäftigung haben.

Sachsen-Anhalt wird immer eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen, nicht nur, weil meine Familie dort lebt. Ich bin dort aufgewachsen und denke gern an einige schöne Erlebnisse und Freunde, die früher dort lebten, zurück. Neue Heimat ist - und bleibt hoffentlich für die nächsten Jahre - die Region um Mannheim.

Janine Pazdyka, Mannheim

Ich wurde 1988 in dem Ort geboren, in dem ich auch die nächsten 19 Jahre verbringen sollte: Gerbstedt. Eine kleine Stadtgemeinde mit fast 8 000 Einwohnern in Mansfeld-Südharz. Was soll ich lügen. Glücklich war ich nie richtig darüber. Für mich stand fest: Ich muss hier weg! Vier Wochen nach dem Abitur setzte ich mich in einen Flieger Richtung USA, wo ich 13 Monate als Au Pair verbrachte und wohl die beste Zeit meines Lebens hatte. Da mir - zurück zu Hause - schon nach wenigen Monaten die sprichwörtliche Decke auf den Kopf zu fallen schien, beschloss ich mich nochmal als Au Pair zu versuchen, nur nicht so weit weg. Doch in London war es ganz anders. Ich war nicht Familienmitglied, sondern Angestellte. Daher ließ ich mich nicht lange bitten, als ich zum Assessment Center bei BMW in Frankfurt (Main) eingeladen wurde. Im Juli 2009 bin ich nach Bornheim gezogen, ein Stadtteil in Frankfurt. Dort wollte ich die nächsten zweieinhalb Jahre bleiben, bis zum Ende meiner Ausbildung. Aber ich merkte schon nach wenigen Monaten, dass Frankfurt nicht meine Zukunft sein wird. Klar, es ist immer etwas los, Arbeitslosigkeit spielt kaum eine Rolle, die interkulturelle Vielfalt ist sagenhaft. Aber Frankfurt ist auch sehr oberflächlich und kurzlebig, weshalb ich mich entschied, meine Ausbildung schon dieses Jahr zu beenden, um ein Studium in Halle aufzunehmen. Ich bereue es auch im Nachhinein nicht. Klar hätte ich wohl das große Geld im Westen verdienen können. Aber ich finde es viel schöner jeden Morgen aufzuwachen und zu wissen, dass die Menschen und Tiere, die ich liebe, ganz nah bei mir sind. Erst nachdem ich der Heimat den Rücken gekehrt habe, habe ich gemerkt, wie wertvoll sie ist. Wie sagt man? Du kannst zwar den Menschen aus der Kleinstadt holen, aber niemals die Kleinstadt aus dem Menschen.

Susann Jordan, Gerbstedt

Auch wir sind Rückkehrer, beide 48 / 49 Jahre alt. Mein Mann ist aus beruflichen Gründen nach Leuna versetzt worden und ich musste mit. Ich habe 16 Jahre in Hannover gelebt. Der Anfang war etwas schwer, aber Lästereien oder Ähnliches gab es nie, ganz im Gegenteil, ich wurde immer nett aufgenommen. Ich habe Freunde gefunden und hatte einen Job im öffentlichen Dienst. Mittlerweile leben wir schon ein halbes Jahr in Braunsbedra, fühlen uns wohl, aber Heimweh nach Hannover habe ich immer noch. Ich bin hier auch wieder berufstätig, habe ein nettes Team gefunden, aber die Mentalität der Sachsen-Anhalter - damit komme ich noch nicht so klar. Viele sind total unzufrieden, meckern und kommen mit ihrem Leben nicht zurecht, sind einfach muffelig. Aber kommt man ihnen mit einem Lächeln entgegen, dann ist alles super.

Heike Heyd, Braunsbedra

Sonntag, den 04. September 2011 um 12:53 Uhr

Folk-Rocker in Wacken gefeiert

ELBEN/MZ. Ob er Lampenfieber gehabt habe? Nein, sagt Klaus Adolphi, Lampenfieber nicht, "aber man ist schon extrem angespannt vor so einem Auftritt". Der Musiker, der in Elben bei Gerbstedt lebt, hat mit seinen beiden Folkrock-Bands "Horch" und "The Aberlour's" erstmals auf dem weltgrößten Heavy-Metal-Festival, dem "Wacken Open Air" in Schleswig-Holstein, gespielt. Die beiden Adolphi-Bands traten kurz hintereinander auf einer Nebenbühne, der Wackinger-Bühne, auf. "Das war schon aufregend, weil man ja weiß, das ist kein normales Konzert. Hier geht es schließlich um einiges", so der Musiker. "Aber nach den ersten Tönen habe ich sofort gewusst, dass es gut wird." Das Publikum - Adolphi schätzt, dass es vielleicht 5 000 Leute waren - "hat uns derart gefeiert, viele haben getanzt". Die Besucher seien sehr offen, was Musik betrifft. "Und weil es der erste Tag des Festivals war, waren sie natürlich auch voller Energie. Man hat richtig gemerkt, dass sie sich das ganze Jahr darauf gefreut haben." Was Adolphi auch beeindruckt hat: Die Leute seien zwar regelrecht "feierwütig", zugleich gehe es aber auch sehr friedlich zu.

Leider habe er selbst keine anderen Bands sehen können, so der Musiker. "Ich wäre gern noch ein, zwei Tage geblieben." Allerdings sei der Wacken-Termin mitten in die traditionelle "Otter-Tour" der "Aberlour's" gefallen - die Band ist jeden Sommer an der Ostsee unterwegs. "Wir sind morgens von Ahlbeck nach Wacken losgefahren. Das war schon anstrengend", so Adolphi. "Horch" reiste aus Halle an. "Das Management in Wacken ist äußerst professionell", so der Musiker. "Alles ist straff organisiert, es gibt sofort klare Ansagen." Auch die Technik und die Crew seien absolute Spitzenklasse. "Die Leute wissen einfach, was sie tun. Und alle sind sehr freundlich."

 

Mittwoch, den 24. August 2011 um 20:04 Uhr

Burgenbauer kommt auf die Lok

GERBSTEDT/MZ. Diesmal sind es keine Türme, Verliese oder Torbögen, die Günther Beinert gewöhnlich aus Beton und Farbe zusammenzimmert. Der bekannte Gerbstedter Burgenbauer ist auf die Lok gekommen. Und nicht auf irgendeine, sondern auf das Exemplar, das Anfang des 20. Jahrhunderts als erste Bahn mehrere Jahrzehnte die Passagiere von Helmsdorf über Gerbstedt bis nach Hettstedt und zurück transportierte. Fast ein Jahr hat er an dem Fahrzeug mit den neun Waggons getüftelt. Jetzt ist sie fertig und steht auf einer Länge von mehr als zehn Metern direkt neben dem im Jahr 2002 stillgelegten Gerbstedter Bahnhof.

"Zum Eisenbahnerfest am 3. September wird sie erstmals offiziell präsentiert", sagt Beinert. Er selbst will die Besucher an diesem Tag über das Bahnhofsgelände führen, auf dem noch weitere historische Bahnen stehen. Alle von ihm gebaut. "Und alle sind auch früher durch Gerbstedt gefahren. Jetzt ist daraus ein richtiges Eisenbahnmuseum geworden", sagt Beinert.

Dass sich der 77-Jährige das 1,5 Tonnen schwere und aufwendig mit Kelle, Raspel und Sandpapier herzustellende Prachtstück bis zuletzt aufgehoben hat, war Absicht. "Das Interessante an der Lok ist, dass sie es aus eigener Kraft den Berg in Richtung Helmsdorf nicht geschafft hätte. Sie brauchte eine zweite Lok, die sie anschob." Auch die hat Beinert aus Beton geformt und sie hängt - wie früher die echte - hinter den Waggons. Aus den Glasfenstern der Passagierwagen schauen insgesamt 84 Passagiere, darunter sogar eine Schulklasse mit weißen Uniformen. "Eigentlich kann man in jedem Waggon, egal ob Holzklasse oder I. Klasse, etwas entdecken", sagt Beinert.

Mittwoch, den 24. August 2011 um 19:59 Uhr

«Große» kommen fast alle durch

SANGERHAUSEN/MZ/. In der 1. Runde des Krombacher-Kreispokals probten die Außenseiter zwar den "Aufstand", doch wirklich große Überraschungen blieben zum Auftakt aus.

So ließen die Landesklasse-Vertretungen aus Kelbra und Helbra nichts anbrennen. In Stolberg hatte der SV Kelbra zwar einigen Widerstand zu brechen, am Ende war der 5:2-Erfolg aber souverän. Ohne jedes Problem marschierte Wacker Helbra in die zweite Runde. Bei der Kreisklasse-Elf aus Rottelsdorf hieß es am Ende 7:0. Schon zur Pause lagen die Helbraer 5:0 vorn. Trotz der sieben Gegentore waren die Rottelsdorfer nicht traurig. "Wir haben uns gut aus der Affäre gezogen, alle sind zufrieden", so Spieler-Trainer Thomas Jödicke. Weitaus mehr Mühe hatte da schon Landesklasse-Aufsteiger Grüne Tanne Wippra. Bei der Kreisklasse-Elf der TSV Edersleben gewannen die Wippraer zwar 2:1, nach dem Anschlusstreffer der Gastgeber durch Karsten Strüning in der 57. Minute mussten die Wippraer sogar noch um das Weiterkommen zittern.

Für drei Teams aus der Kreisoberliga Mansfeld-Südharz ist der Pokal dagegen bereits wieder Geschichte. Emseloh unterlag dem MSV Eisleben im Elfmeterschießen. Und das nicht gerade überraschend. Unerwarteter kamen da schon die Pleiten von Wimmelburg und Allstedt. Die Wimmelburger verabschiedeten sich nach einer 1:4-Pleite beim Kreisligisten Wacker Wallhausen aus dem Rennen. Die Allstedter dagegen gaben sich im einzigen Duell zweier Kreisoberligisten gegen Fortuna Brücken 2:3 geschlagen.

Ganz andere Sorgen hatte da Trainer Marko Glieber vom VfB Oberröblingen. Der Coach kam beim 16:2-Sieg seiner Mannschaft in Bischofrode mit dem Registrieren der Treffer gegen die schwachen Gastgeber kaum hinterher.

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