Wassermassen in Gerbstedt
Video eines Gerbstedters an der Zabenstedter Straße
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Hilferufe aus Pfeiffhausen
PFEIFFHAUSEN/MZ. Der Jazz-Sängerin Tanja Pannier, die schon viele internationale Preise gewonnen hat, stehen die Tränen in den Augen. Nein, sie will nicht weinen. Jetzt nicht. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie unverzüglich von Berlin nach Pfeiffhausen (Landkreis Mansfeld-Südharz) geeilt, um ihren Eltern nach der verheerenden Schlammflut zu helfen. "Das Wichtigste ist, dass sie noch leben", sagt sie. Alles andere werde sich finden. "Wir kriegen das schon wieder hin", macht sie sich Mut.
Ihr Bruder Matthias, der aus Stockholm gekommen ist, um mit anzupacken, hat die Schaufel beiseite gestellt. Er ist in Halle und bemüht sich dort um die Reparatur des Telefons. Denn ohne Telefon sind die Eheleute Elisabeth und Dieter Pannier aufgeschmissen.
Ihr Bungalow steht außerhalb des Ortes an der Straße zwischen Friedeburgerhütte und Pfeiffhausen. Einen Ziegenhof, der dort liegt, hat es besonders hart getroffen. Im Frühjahr war er abgebrannt, durch das Unwetter ist nun die Straße dorthin teilweise weggespült. "Ich war erschüttert, als ich gesehen habe, was sich in Pfeiffhausen abgespielt hat", sagte Wilfried Vogt, Eigentümer des Grundstückes, der MZ. Er ist froh, dass die Tiere des Hofes das Unwetter gut überstanden haben.
Das lässt sich von den Orten an der Grenze zum Salzlandkreis, die zur Stadt Gerbstedt gehören, nicht sagen. Die Verwüstung, die die Gewitterfront allein in dem kleinen Ort Pfeiffhausen mit etwa 20 Einwohnern hinterlassen hat, war auch am Dienstag noch nicht zu überblicken. Auch in den anderen Dörfern in dieser Gegend wussten viele nicht, wo sie zuerst mit dem Aufräumen anfangen sollten.
In ihrer Not hat Barbara Olze (CDU), die Ortsbürgermeisterin von Ihlewitz, über die Medien einen Hilferuf abgesetzt. Händeringend rief sie nach Technik und Männern, "die mit anpacken", um der Schlammmassen Herr zu werden. Sie selbst war den ganzen Tag mit der Schubkarre unterwegs. Und sie erhielt tatsächlich Beistand. Privatfirmen und Landwirte stellten Technik zur Verfügung. Ein Krisenstab des Landkreises, der in Pfeiffhausen eingerichtet wurde, koordinierte die Einsätze. Sogar fremde Leute, die den Hilferuf der Ihlewitzer Ortsbürgermeisterin gehört hatten, kamen mit Arbeitssachen, um in den verwüsteten Dörfern entlang der Schlenze beim Aufräumen mit zu helfen.
Straße zum Ziegenhof in Pfeiffhausen ist weggespült
GERBSTEDT/MZ. Wieder einmal hat im Mansfelder Land eine Schlammwalze für Zerstörungen gesorgt. Zum dritten Mal binnen zweier Wochen mussten Einwohner um ihr Hab und Gut fürchten. Betroffen waren diesmal besonders Orte in der Einheitsgemeinde Gerbstedt. Dort war am Sonntagabend ein heftiges Gewitter niedergegangen.
Ein Bild der Verwüstung bietet sich besonders in dem kleinen Ort Pfeiffhausen. Ein Teil der Straße hoch zum Ziegenhof ist regelrecht weggespült worden. Ganz in der Nähe wohnt die Familie Pannier. Der Carport wurde demoliert, das kleberige Wasser-Schlamm-Gemisch hat fünf Schafe mit sich gerissen. "Sogar der Traktor konnte der Gewalt nicht widerstehen", berichtete Elisabeth Pannier.
Das Fahrzeug wurde im Nachbarort Friedeburgerhütte wieder gefunden. "Das ist schockierend, wenn man die Schäden sieht", rang ihr Ehmann Dieter Pannier um Fassung. Ein Einsatzstab des Landkreises hat am Montag die Schäden in Augenschein genommen. Jetzt werde geprüft, welche Maßnahmen dort ergriffen werden, hieß es von der Kreisverwaltung.
Heftig erwischt hat es auch den ehemaligen Gutshof in Adendorf. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Jana Paßler, die in dem Gebäude wohnt. Sie habe mit gemischten Gefühlen während des Gewitters aus dem Fenster geschaut. "Da hat man keine fünf Zentimeter Sicht gehabt." Die Schlammwalze drängte aus Richtung Hauptstraße auf den Gutshof. Ihren beiden Söhnen Markus und Thomas hat sie am Montag schulfrei gegeben. Denn es war ja am Morgen unklar, ob Autos überhaupt fahren können.
Schlamm stoppt die Saison vorzeitig
EISLEBEN/MZ. Der durchwachsene Sommer hat die Bilanz in den Freibädern des Mansfelder Landes verhagelt. Bei den Besucherzahlen wurde ein Rückgang von bis zu 50 Prozent verzeichnet. Genaue Zahlen über die Einnahmeverluste liegen noch nicht vor. Ein Teil der Freibäder hat mittlerweile schon geschlossen.
So auch das Waldbad in Alterode. Eigentlich war geplant, dass die Saison dort erst am 30. August endet. Aber das Unwetter in der vergangenen Woche hat diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Dadurch ist Schlamm in das Becken geraten", sagt Bademeister Siegfried Amme. Ein Badebetrieb sei nicht mehr möglich gewesen. Vielmehr müsse man das Wasser ablaufen lassen, um die Becken wieder zu reinigen. Die Einnahmen, die man sich bis zum 30. August noch erhofft hat, würden freilich fehlen. "Das Geld hätte man gut für Reparaturen einsetzen können", so Siegfried Amme.
Auch das Eisleber Freibad ist bereits dicht. Dort wurden am vergangenen Sonntag die letzten Gäste begrüßt. Die Schließung erfolgte dort allerdings nach Plan. Wirtschaftlich sei die Badesaison schlecht gewesen. Auch wenn noch keine endgültigen Zahlen vorliegen, sei eines klar. "So wenig Besucher hatten wir in den elf Jahren, seit es den Eigenbetrieb gibt, noch nie", sagt Siegmund Michalski, Leiter des Eigenbetriebes Bäder.
Im Mühlenbad in Großörner werden die Pforten am 5. September geschlossen. "Eigentlich sollte die Saison ein wenig länger dauern, aber bei dieser Witterung hat dies keinen Sinn", sagt der für Bäder zuständige Amtsleiter Thorsten Oemler. Für das Ende der Woche haben die Meteorologen noch einmal steigende Temperaturen vorausgesagt. Diese wärmeren Tage bis zum Sonntag wolle man noch mitnehmen, dann sei aber Schluss. Laut Bernd Meyer, Schwimmmeister im Mühlenbad, seien im Vergleich zum Vorjahr zwischen 50 und 60 Prozent weniger Besucher gezählt worden. Dadurch, dass die Nächte jetzt verhältnismäßig kalt sind, kühle das Wasser auch schnell ab. Und wenn es dann eine bestimmte Grenze erreicht hat, wolle keiner mehr schwimmen.
Eröffnungsfeier unterm Dach
GERBSTEDT/MZ. Es regnete, was vom Himmel runter wollte - und das gerade dann, als Siegfried Schwarz, Bürgermeister der Stadt Gerbstedt, am Sonnabend pünktlich 13 Uhr nach dem dreifachen Salut schießen des Schützenvereins Gerbstedt das Stadtfest eröffnen wollte. Doch die Gerbstedter wussten sich zu helfen: Die Eröffnung wurde unter das Dach verlegt, das über der Bühne und vielen Zuschauerbänken gespannt war.
Und da wegen des Regens auch der Umzug nicht stattfinden konnte, spielten der Spielmannszug Blau-Weiß Hettstedt und die Schalmeienkapelle Zickeritz die Musik, die sie beim Umzug spielen wollten unter dem Dach. Auf den Bänken hatten viele Zuhörer Platz genommen, darunter Mitglieder der Sportgruppe 50 Plus, denn, so Gudrun Boge "Wir lassen uns den Spaß vom Wetter nicht verderben". So gab es auch Beifall für einen vom Gartenverein mit Kürbissen, Zucchini, Früchten und vielen Blumen geschmückten Wagen, der eigentlich im Umzug mitfahren wollte. "Wenn die Obrigkeit ruft, sind wir allemal bereit mitzumachen", lachte der recht regennasse Kutscher, Vereinsmitglied Dieter Fischer.
Mit flotten Rhythmen spielte der Hettstedter Spielmannszug auf, und als Zugabe erlebten die Zuhörer, was die Drumlines, eine Drummergruppe von Blau-Weiß, mit "Kadenz" und "Morris Brown" zu bieten hatten. "Hier mitzumachen macht Spaß", erklärten der 14-jährige Jonas Ulrich und der 19-jährige Student Kevin Klaus, als sie nach starkem Beifall die Bühne verließen, um den Zickeritzern Platz zu machen.
MZ-Leser berichten über ihre Erfahrungen
Halle (Saale)/MZ. Unter dem Titel "Die (un)geliebte Heimat" hat die MZ vor wenigen Tagen drei Sachsen-Anhalter vorgestellt, die ihre Heimat gen Westen verlassen haben, nun aber zurückgekehrt sind oder davon träumen. Viele Leser haben reagiert, schildern eigene Erfahrungen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass auch viele Hochqualifizierte das Land verlassen. Natürlich trägt die Arbeitsplatzsituation dazu bei, da große Unternehmen, die einen guten Job und beruflichen Aufstieg ermöglichen, im Süden Sachsen-Anhalts immer noch rar sind. Dennoch sollte man andere Faktoren nicht außer Acht lassen: Theater, Kinos werden geschlossen; Restaurants, Bars und Cafés gehen pleite; in ländlichen Regionen fehlen Ärzte und öffentliche Verkehrsmittel. Wie viele Abwanderer stellen eine hohe Lebensqualität über die Verdienstmöglichkeit? Da sollte Politik ansetzen.
Ich habe Halle nach meinem Studienabschluss Ende 2010 verlassen und es bisher keine Sekunde bereut. Die Entscheidung war richtig, da ich an meinem Arbeitsplatz in Mannheim sehr gut empfangen und im neuen Wohnort freundlich aufgenommen wurde. Die Menschen sind entspannter und meist freundlicher als in Halle. Alle Behördengänge verliefen positiv. In Halle habe ich immer das Gegenteil erlebt: Mürrische, genervte Mitarbeiter in Ämtern, die ihre Arbeit weder gut noch richtig machten.
Dass ich aus dem Osten Deutschlands komme, spielt überhaupt keine Rolle. Kein Mensch redet hier schlecht über "Ossis". Das könnte daran liegen, dass ich in einem Unternehmen mit intelligenten Menschen verschiedener Nationen arbeite - für sie zählt die einzelne Person und deren Arbeitsqualität, nicht die Herkunft. Vielleicht kommt es auch darauf an, wie man sich persönlich verhält. Von Ausländerfeindlichkeit habe ich hier übrigens noch nichts mitbekommen. Möglicherweise sind die Bewohner ausgeglichener, weil es ihnen gut geht, die meisten einen Job und Freizeitbeschäftigung haben.
Sachsen-Anhalt wird immer eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen, nicht nur, weil meine Familie dort lebt. Ich bin dort aufgewachsen und denke gern an einige schöne Erlebnisse und Freunde, die früher dort lebten, zurück. Neue Heimat ist - und bleibt hoffentlich für die nächsten Jahre - die Region um Mannheim.
Janine Pazdyka, Mannheim
Ich wurde 1988 in dem Ort geboren, in dem ich auch die nächsten 19 Jahre verbringen sollte: Gerbstedt. Eine kleine Stadtgemeinde mit fast 8 000 Einwohnern in Mansfeld-Südharz. Was soll ich lügen. Glücklich war ich nie richtig darüber. Für mich stand fest: Ich muss hier weg! Vier Wochen nach dem Abitur setzte ich mich in einen Flieger Richtung USA, wo ich 13 Monate als Au Pair verbrachte und wohl die beste Zeit meines Lebens hatte. Da mir - zurück zu Hause - schon nach wenigen Monaten die sprichwörtliche Decke auf den Kopf zu fallen schien, beschloss ich mich nochmal als Au Pair zu versuchen, nur nicht so weit weg. Doch in London war es ganz anders. Ich war nicht Familienmitglied, sondern Angestellte. Daher ließ ich mich nicht lange bitten, als ich zum Assessment Center bei BMW in Frankfurt (Main) eingeladen wurde. Im Juli 2009 bin ich nach Bornheim gezogen, ein Stadtteil in Frankfurt. Dort wollte ich die nächsten zweieinhalb Jahre bleiben, bis zum Ende meiner Ausbildung. Aber ich merkte schon nach wenigen Monaten, dass Frankfurt nicht meine Zukunft sein wird. Klar, es ist immer etwas los, Arbeitslosigkeit spielt kaum eine Rolle, die interkulturelle Vielfalt ist sagenhaft. Aber Frankfurt ist auch sehr oberflächlich und kurzlebig, weshalb ich mich entschied, meine Ausbildung schon dieses Jahr zu beenden, um ein Studium in Halle aufzunehmen. Ich bereue es auch im Nachhinein nicht. Klar hätte ich wohl das große Geld im Westen verdienen können. Aber ich finde es viel schöner jeden Morgen aufzuwachen und zu wissen, dass die Menschen und Tiere, die ich liebe, ganz nah bei mir sind. Erst nachdem ich der Heimat den Rücken gekehrt habe, habe ich gemerkt, wie wertvoll sie ist. Wie sagt man? Du kannst zwar den Menschen aus der Kleinstadt holen, aber niemals die Kleinstadt aus dem Menschen.
Susann Jordan, Gerbstedt
Auch wir sind Rückkehrer, beide 48 / 49 Jahre alt. Mein Mann ist aus beruflichen Gründen nach Leuna versetzt worden und ich musste mit. Ich habe 16 Jahre in Hannover gelebt. Der Anfang war etwas schwer, aber Lästereien oder Ähnliches gab es nie, ganz im Gegenteil, ich wurde immer nett aufgenommen. Ich habe Freunde gefunden und hatte einen Job im öffentlichen Dienst. Mittlerweile leben wir schon ein halbes Jahr in Braunsbedra, fühlen uns wohl, aber Heimweh nach Hannover habe ich immer noch. Ich bin hier auch wieder berufstätig, habe ein nettes Team gefunden, aber die Mentalität der Sachsen-Anhalter - damit komme ich noch nicht so klar. Viele sind total unzufrieden, meckern und kommen mit ihrem Leben nicht zurecht, sind einfach muffelig. Aber kommt man ihnen mit einem Lächeln entgegen, dann ist alles super.
Heike Heyd, Braunsbedra
Folk-Rocker in Wacken gefeiert
ELBEN/MZ. Ob er Lampenfieber gehabt habe? Nein, sagt Klaus Adolphi, Lampenfieber nicht, "aber man ist schon extrem angespannt vor so einem Auftritt". Der Musiker, der in Elben bei Gerbstedt lebt, hat mit seinen beiden Folkrock-Bands "Horch" und "The Aberlour's" erstmals auf dem weltgrößten Heavy-Metal-Festival, dem "Wacken Open Air" in Schleswig-Holstein, gespielt. Die beiden Adolphi-Bands traten kurz hintereinander auf einer Nebenbühne, der Wackinger-Bühne, auf. "Das war schon aufregend, weil man ja weiß, das ist kein normales Konzert. Hier geht es schließlich um einiges", so der Musiker. "Aber nach den ersten Tönen habe ich sofort gewusst, dass es gut wird." Das Publikum - Adolphi schätzt, dass es vielleicht 5 000 Leute waren - "hat uns derart gefeiert, viele haben getanzt". Die Besucher seien sehr offen, was Musik betrifft. "Und weil es der erste Tag des Festivals war, waren sie natürlich auch voller Energie. Man hat richtig gemerkt, dass sie sich das ganze Jahr darauf gefreut haben." Was Adolphi auch beeindruckt hat: Die Leute seien zwar regelrecht "feierwütig", zugleich gehe es aber auch sehr friedlich zu.
Leider habe er selbst keine anderen Bands sehen können, so der Musiker. "Ich wäre gern noch ein, zwei Tage geblieben." Allerdings sei der Wacken-Termin mitten in die traditionelle "Otter-Tour" der "Aberlour's" gefallen - die Band ist jeden Sommer an der Ostsee unterwegs. "Wir sind morgens von Ahlbeck nach Wacken losgefahren. Das war schon anstrengend", so Adolphi. "Horch" reiste aus Halle an. "Das Management in Wacken ist äußerst professionell", so der Musiker. "Alles ist straff organisiert, es gibt sofort klare Ansagen." Auch die Technik und die Crew seien absolute Spitzenklasse. "Die Leute wissen einfach, was sie tun. Und alle sind sehr freundlich."


bin ich auf Ihre WEB-Seite gestossen. Besonders hat mich der Beitrag zur Pferdebahn nach Belleben ...