Nachrichten (86)
MZ-Leser berichten über ihre Erfahrungen
Geschrieben von MZ
Halle (Saale)/MZ. Unter dem Titel "Die (un)geliebte Heimat" hat die MZ vor wenigen Tagen drei Sachsen-Anhalter vorgestellt, die ihre Heimat gen Westen verlassen haben, nun aber zurückgekehrt sind oder davon träumen. Viele Leser haben reagiert, schildern eigene Erfahrungen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass auch viele Hochqualifizierte das Land verlassen. Natürlich trägt die Arbeitsplatzsituation dazu bei, da große Unternehmen, die einen guten Job und beruflichen Aufstieg ermöglichen, im Süden Sachsen-Anhalts immer noch rar sind. Dennoch sollte man andere Faktoren nicht außer Acht lassen: Theater, Kinos werden geschlossen; Restaurants, Bars und Cafés gehen pleite; in ländlichen Regionen fehlen Ärzte und öffentliche Verkehrsmittel. Wie viele Abwanderer stellen eine hohe Lebensqualität über die Verdienstmöglichkeit? Da sollte Politik ansetzen.
Ich habe Halle nach meinem Studienabschluss Ende 2010 verlassen und es bisher keine Sekunde bereut. Die Entscheidung war richtig, da ich an meinem Arbeitsplatz in Mannheim sehr gut empfangen und im neuen Wohnort freundlich aufgenommen wurde. Die Menschen sind entspannter und meist freundlicher als in Halle. Alle Behördengänge verliefen positiv. In Halle habe ich immer das Gegenteil erlebt: Mürrische, genervte Mitarbeiter in Ämtern, die ihre Arbeit weder gut noch richtig machten.
Dass ich aus dem Osten Deutschlands komme, spielt überhaupt keine Rolle. Kein Mensch redet hier schlecht über "Ossis". Das könnte daran liegen, dass ich in einem Unternehmen mit intelligenten Menschen verschiedener Nationen arbeite - für sie zählt die einzelne Person und deren Arbeitsqualität, nicht die Herkunft. Vielleicht kommt es auch darauf an, wie man sich persönlich verhält. Von Ausländerfeindlichkeit habe ich hier übrigens noch nichts mitbekommen. Möglicherweise sind die Bewohner ausgeglichener, weil es ihnen gut geht, die meisten einen Job und Freizeitbeschäftigung haben.
Sachsen-Anhalt wird immer eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen, nicht nur, weil meine Familie dort lebt. Ich bin dort aufgewachsen und denke gern an einige schöne Erlebnisse und Freunde, die früher dort lebten, zurück. Neue Heimat ist - und bleibt hoffentlich für die nächsten Jahre - die Region um Mannheim.
Janine Pazdyka, Mannheim
Ich wurde 1988 in dem Ort geboren, in dem ich auch die nächsten 19 Jahre verbringen sollte: Gerbstedt. Eine kleine Stadtgemeinde mit fast 8 000 Einwohnern in Mansfeld-Südharz. Was soll ich lügen. Glücklich war ich nie richtig darüber. Für mich stand fest: Ich muss hier weg! Vier Wochen nach dem Abitur setzte ich mich in einen Flieger Richtung USA, wo ich 13 Monate als Au Pair verbrachte und wohl die beste Zeit meines Lebens hatte. Da mir - zurück zu Hause - schon nach wenigen Monaten die sprichwörtliche Decke auf den Kopf zu fallen schien, beschloss ich mich nochmal als Au Pair zu versuchen, nur nicht so weit weg. Doch in London war es ganz anders. Ich war nicht Familienmitglied, sondern Angestellte. Daher ließ ich mich nicht lange bitten, als ich zum Assessment Center bei BMW in Frankfurt (Main) eingeladen wurde. Im Juli 2009 bin ich nach Bornheim gezogen, ein Stadtteil in Frankfurt. Dort wollte ich die nächsten zweieinhalb Jahre bleiben, bis zum Ende meiner Ausbildung. Aber ich merkte schon nach wenigen Monaten, dass Frankfurt nicht meine Zukunft sein wird. Klar, es ist immer etwas los, Arbeitslosigkeit spielt kaum eine Rolle, die interkulturelle Vielfalt ist sagenhaft. Aber Frankfurt ist auch sehr oberflächlich und kurzlebig, weshalb ich mich entschied, meine Ausbildung schon dieses Jahr zu beenden, um ein Studium in Halle aufzunehmen. Ich bereue es auch im Nachhinein nicht. Klar hätte ich wohl das große Geld im Westen verdienen können. Aber ich finde es viel schöner jeden Morgen aufzuwachen und zu wissen, dass die Menschen und Tiere, die ich liebe, ganz nah bei mir sind. Erst nachdem ich der Heimat den Rücken gekehrt habe, habe ich gemerkt, wie wertvoll sie ist. Wie sagt man? Du kannst zwar den Menschen aus der Kleinstadt holen, aber niemals die Kleinstadt aus dem Menschen.
Susann Jordan, Gerbstedt
Auch wir sind Rückkehrer, beide 48 / 49 Jahre alt. Mein Mann ist aus beruflichen Gründen nach Leuna versetzt worden und ich musste mit. Ich habe 16 Jahre in Hannover gelebt. Der Anfang war etwas schwer, aber Lästereien oder Ähnliches gab es nie, ganz im Gegenteil, ich wurde immer nett aufgenommen. Ich habe Freunde gefunden und hatte einen Job im öffentlichen Dienst. Mittlerweile leben wir schon ein halbes Jahr in Braunsbedra, fühlen uns wohl, aber Heimweh nach Hannover habe ich immer noch. Ich bin hier auch wieder berufstätig, habe ein nettes Team gefunden, aber die Mentalität der Sachsen-Anhalter - damit komme ich noch nicht so klar. Viele sind total unzufrieden, meckern und kommen mit ihrem Leben nicht zurecht, sind einfach muffelig. Aber kommt man ihnen mit einem Lächeln entgegen, dann ist alles super.
Heike Heyd, Braunsbedra
Pfeiffhausen/MZ. Die Spuren des Großbrandes, der am 5. Mai einen Teil des Ziegenhofes Pfeiffhausen zerstörte, sind auf dem Hof zwar immer noch allgegenwärtig. Doch es werden täglich weniger. "Die Brandsanierung ist fast abgeschlossen", sagt Wilfried Voigt, der darauf hofft, bis Anfang nächsten Jahres den Wiederaufbau seines Anwesens zum Abschluss zu bringen. Während Arbeiter in dem großen Stall noch damit beschäftigt sind, Brandspuren zu beseitigen, richtet Voigt bereits den Blick nach vorn. "Wenn das Dach erst wieder
zu ist, haben wir keine Probleme mehr", sagt er.
Das Dach ist für ihn das Wichtigste. Doch bevor es in Angriff genommen werden kann, muss noch alles seinen behördlichen Gang gehen. "Sobald die Baugenehmigung da ist, geht es los", kündigte der in Köln lebende Eigentümer an, dessen Wurzeln sich jedoch in Pfeiffhausen befinden.
Großvater war Bürgermeister
Wilfried Voigt wurde 1943 auf dem Hof geboren, sein Großvater war in der Gemeinde, die kaum mehr als 60 bis 80 Einwohner zählte, vor dem Krieg Bürgermeister. Er stammte aus dem benachbarten Thaldorf, das heute wie Pfeiffhausen ein Ortsteil von Ihlewitz ist, also zur Stadt Gerbstedt gehört.
Es gibt sehr viel Vergangenes, was Wilfried Voigt mit Pfeiffhausen verbindet. 1951 musste er als Neunjähriger erleben, wie seine Familie enteignet wurde. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. "Für uns hieß es damals: Ab in den Westen", erinnert sich Voigt, der dort Kaufmann geworden ist, zunächst bei Siemens, dann in den Johannes Seniorendienste e.V., deren Vorstandsvorsitzender er viele Jahre war.
Jetzt lebt er zwar im Ruhestand, ist aber weit davon entfernt, die Hände in den Schoß zu legen. Nicht zuletzt nimmt ihn der Ziegenhof in Anspruch, dessen Wiederaufbau nach dem Brandunglück für ihn immer außer Frage stand. Wieviel es kosten wird, sämtliche Schäden zu beheben, vermag er zwar immer noch nicht genau zu sagen, aber mit 300 000 bis 350 000 Euro in etwa rechnet er schon.
Einwohner spendieren ihre alten Kaffeekannen
Geschrieben von MZ
POLLEBEN/MZ/BZ. Kaffeekannen in allen möglichen Formen werden ab Pfingstmontag im romanischen Turm der ehemaligen Polleber Kirche neben der alten Schule gezeigt. Es handelt sich durchweg um Geschirr, das bis vor einigen Jahren oder Jahrzehnten in Gerbstedt und Umgebung im Gebrauch war. "Meißner Porzellan ist nicht dabei", räumt Manfred Alsleben ein, der Begründer der Polleber Heimatstube, die aus ihrem Fundus noch ein paar Teekannen und einen Teewagen beisteuert.
Wie es zu der Ausstellung kam, die voraussichtlich vier Wochen im Kirchturm bleiben wird? Alsleben erhielt vor ein paar Tagen einen Anruf aus Gerbstedt, in dem auf die Sammlung aufmerksam gemacht wurde, die nach einem Aufruf im Gerbstedter Amtsblatt entstand. Darin wurden Einwohner gebeten, nicht mehr benötigte Kaffeekannen dem Heimatmuseum zur Verfügung zu stellen.
Das Echo darauf war beachtlich, ungefähr 150 Kannen wurden entweder abgegeben oder standen zur Abholung bereit. Wobei die eine oder andere Kanne Besuchern möglicherweise bekannt vorkommen könnte, denn die Exponate aus DDR-Produktion gehörten bis vor gar nicht allzu langer Zeit mit zum Alltag in den hiesigen Wohnzimmern. Der Eintritt in den malerischen Kirchturm ist frei. Manfred Alsleben, Adolf Mittelstedt und Ingrid Feibig, die ehrenamtlich die Heimatstube betreuen, würden sich freuen, wenn die eine oder andere Spende für den Erhalt des alten Stephanusturms in der Sparbüchse landet.
Landwirt holt Schwangere aus eingeschneitem Ort
Geschrieben von MZDoch dass am Ende bei der Geburt alles gut verlaufen konnte, daran hatten zahlreiche Helfer eine Aktie. Am Nachmittag des 25. Dezembers hatte Lennard Otto deutlich gemacht, dass er die Zeit nun langsam für gekommen hält, sich seinen Eltern Michael Hesse (26) und Elisabeth Augustin (22) persönlich vorzustellen. Was er freilich nicht wusste. Die starken Schneefälle in der Nacht zum ersten Feiertag hatten dafür gesorgt, dass man mit dem Auto weder in den kleinen Ort Lochwitz gelangte, noch ihn verlassen konnte. "Ich bin schon am Vormittag bis zum Bauch im Schnee versunken", sagt Michael Hesse.
Zum Artikel "Erkundungen in der Tiefe"
Geschrieben von Kunze, FrankEine akute Gefahr, dass es zu weiteren Erdeinbrüchen komme, sehe er nicht. In der Klubhausstraße hat man zunächst eine Teufe gesetzt. Von dort arbeitet man sich Stück für Stück voran. "Das ist alles sehr aufwändig", sagt Aribert Schneider. Großartig Technik komme dabei nicht zum Einsatz. Mit Hacke und Presslufthammer gehe man in etwa sechs Meter Tiefe vorsichtig vorwärts. Das lose Gestein wandert in einen Container, die frei gelegten Bereiche würden sofort mit Stahlprofilen gesichert, so Schneider.
Die Polizei in Halle ermittelt wegen des Verdachts der umweltgefährdenden Abfallbeseitigung. Sprecherin Ulrike Diener bestätigt, dass man nach Prüfung von Firmenunterlagen davon ausgeht, dass die NMB 140 000 Liter Säure geliefert bekam. Ein beträchtlicher Teil davon sei auf dem Gelände am Helbraer Ernst-Schacht versickert. Seit dem Frühjahr waren das laut Diener zwischen 30 000 und 50 000 Liter. In der vorigen Woche waren die Behörden noch von lediglich 1 000 Litern ausgegangen. Bislang hat eine Entsorgungsfirma über 200 Tonnen säureverseuchtes Erdreich ausgebaggert und neutralisiert. Bei den Arbeiten laufe immer noch Säure nach.

Wanderfreund trifft ehemaligen Kollegen wieder
Geschrieben von MZTouristen stehen vor verschlossener Türe...
Geschrieben von MZEISLEBEN/MZ. Wenn die Luther-Touristen zwischen Oktober und Mai einen Blick in die Eisleber Andreaskirche werfen wollen, haben sie schlechte Karten. Die Tür ist verschlossen. Zwar können sie die Lutherstätten besuchen, aber der Ort, an dem der Reformator seine letzte Predigt gehalten hat, ist nicht zugänglich. Alles rütteln an der Tür im sanierten Giebel ist vergebens.



bin ich auf Ihre WEB-Seite gestossen. Besonders hat mich der Beitrag zur Pferdebahn nach Belleben ...