Freitag, den 21. Oktober 2011 um 11:09 Uhr

Schock im Morgengrauen

Geschrieben von  MZ
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Halle (Saale)/MZ. Schock in der Morgenstunde für eine MZ-Zustellerin in Friedeburgerhütte, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Als sie nämlich in aller Herrgottsfrühe im Dorf den Hüttenberg hinauffuhr, um dort die Zeitungen in die Haushalte zu bringen, gab es plötzlich einen fürchterlichen Rums, und ihr Auto saß fest, Totalschaden. Es war mit lautem Knall auf der Straße eingebrochen, wo sich ein Loch aufgetan hatte, dessen Ausmaße in der Dunkelheit gar nicht zu überblicken waren.

Ob die Frau überhaupt mitbekam, dass es unter dem Auto mehrere Meter in die Tiefe ging, vermochte am Donnerstag vor Ort keiner zu sagen. Nachbarn berichteten, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Laut Polizei, die überdies von "knackenden Geräuschen" sprach, die eine mögliche Verbreiterung der Gefahrenstelle befürchten ließen, steht sie unter Schock. Im Erdreich gurgelte Wasser, weil ein Rohr gebrochen war. Das kühle Nass verschwand unterirdisch und spülte unterhalb des Hanges einen Keller voll Schlamm.

Die Feuerwehr Adendorf wurde alarmiert, ebenso die Midewa, die im Ort das Wasser abdrehte und die Reparatur begann, die noch am selben Tag zum Abschluss gebracht wurde. Die Feuerwehr übernahm Sicherungsaufgaben rund um den Einsatzort. "Mehr konnten wir nicht machen", sagte Wehrleiter Horst Lehmer, der zur Ursache des Straßeneinbruchs ebenso wenig sagen konnte wie Mitarbeiter des geologischen Landesamtes.

Auch für Jürgen Reinhardt, den Technischen Leiter der Midewa-Niederlassung in Eisleben, ist die Ursache völlig unklar. Für ihn kommt es erst einmal darauf an, eine Notleitung zu bauen, damit der Ort binnen Stunden wieder an die Wasserversorgung angeschlossen werden kann. Fürs erste schickte er einen Wasserwagen durch den Ort, um die Einwohner mit dem nötigsten zu versorgen. "Egal, was die Ursache war, wir beheben erst einmal den Schaden", sagte er.

Danach wird die Frage zu klären sein, ob der Rohrbruch mit den folgenden Ausspülungen die Ursache für den Einbruch der Straße war oder ob es vielleicht umgekehrt gewesen ist. Es könnte sein, dass der Straßenbelag unter dem Gewicht des Autos absackte und das Rohr erst danach gebrochen ist. Der Midewa-Mann will aber nicht spekulieren, er hat jetzt anderes zu tun.

Dabei hätte auch er zum Ort des Geschehens, auf dem schon im August ein Teil der Fahrbahn abgesackt war, einige Fragen. Im August war es kein großes Ereignis, doch angesichts dessen, was jetzt passiert ist, machen sich Anwohner so ihre Gedanken.

Und was hat es mit den unterirdischen Gängen auf sich, von dem ältere Einwohner erzählen? Immerhin ist das Wasser nach dem Rohrbruch unterirdisch abgelaufen, etwa durch einen der Gänge?

Erika Friedrich, die seit 84 Jahren auf dem Hüttenberg nicht weit von den berühmten Kornflaschen zu Hause ist, kennt die Gänge nicht nur vom Hörensagen. Als Kind hat sie die Unterwelt ihrer Heimat erkundet. "Man konnte unter der Hauptstraße entlang gehen", erinnert sie sich. Diesen Gang haben sie erst dieses Jahr zugemacht, sagt sie und bedauert, schon so viel vergessen zu haben. Sie weiß nicht, wieviele Gänge es einmal gab. Sicher ist sie jedoch, dass nebenan im Garten ein Eingang war.

Leider gibt es darüber keine Pläne, keine Aufzeichnungen, nichts, bedauert Jürgen Reinhardt. Weder im Bauamt der Stadt Gerbstedt noch im Stadtarchiv finden sich Hinweise. Ralph Dockhorn, Sachgebietsleiter Bau, im Gerbstedter Rathaus, bedauert das sehr.

MZ

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