GERBSTEDT/MZ. Diesmal sind es keine Türme, Verliese oder Torbögen, die Günther Beinert gewöhnlich aus Beton und Farbe zusammenzimmert. Der bekannte Gerbstedter Burgenbauer ist auf die Lok gekommen. Und nicht auf irgendeine, sondern auf das Exemplar, das Anfang des 20. Jahrhunderts als erste Bahn mehrere Jahrzehnte die Passagiere von Helmsdorf über Gerbstedt bis nach Hettstedt und zurück transportierte. Fast ein Jahr hat er an dem Fahrzeug mit den neun Waggons getüftelt. Jetzt ist sie fertig und steht auf einer Länge von mehr als zehn Metern direkt neben dem im Jahr 2002 stillgelegten Gerbstedter Bahnhof.
"Zum Eisenbahnerfest am 3. September wird sie erstmals offiziell präsentiert", sagt Beinert. Er selbst will die Besucher an diesem Tag über das Bahnhofsgelände führen, auf dem noch weitere historische Bahnen stehen. Alle von ihm gebaut. "Und alle sind auch früher durch Gerbstedt gefahren. Jetzt ist daraus ein richtiges Eisenbahnmuseum geworden", sagt Beinert.
Dass sich der 77-Jährige das 1,5 Tonnen schwere und aufwendig mit Kelle, Raspel und Sandpapier herzustellende Prachtstück bis zuletzt aufgehoben hat, war Absicht. "Das Interessante an der Lok ist, dass sie es aus eigener Kraft den Berg in Richtung Helmsdorf nicht geschafft hätte. Sie brauchte eine zweite Lok, die sie anschob." Auch die hat Beinert aus Beton geformt und sie hängt - wie früher die echte - hinter den Waggons. Aus den Glasfenstern der Passagierwagen schauen insgesamt 84 Passagiere, darunter sogar eine Schulklasse mit weißen Uniformen. "Eigentlich kann man in jedem Waggon, egal ob Holzklasse oder I. Klasse, etwas entdecken", sagt Beinert.
Nach diesem Groß-Projekt bleibt Günther Beinert aber wenig Zeit zum verschnaufen. Der nächste Auftrag wartet schon. Für die Freundin seines Enkels soll er die Schweineburg in Bornstedt nachbauen. Natürlich wie alle seine Kunstwerke: aus Beton.


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