Mittwoch, den 24. August 2011 um 20:04 Uhr

Burgenbauer kommt auf die Lok

Geschrieben von  MZ
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GERBSTEDT/MZ. Diesmal sind es keine Türme, Verliese oder Torbögen, die Günther Beinert gewöhnlich aus Beton und Farbe zusammenzimmert. Der bekannte Gerbstedter Burgenbauer ist auf die Lok gekommen. Und nicht auf irgendeine, sondern auf das Exemplar, das Anfang des 20. Jahrhunderts als erste Bahn mehrere Jahrzehnte die Passagiere von Helmsdorf über Gerbstedt bis nach Hettstedt und zurück transportierte. Fast ein Jahr hat er an dem Fahrzeug mit den neun Waggons getüftelt. Jetzt ist sie fertig und steht auf einer Länge von mehr als zehn Metern direkt neben dem im Jahr 2002 stillgelegten Gerbstedter Bahnhof.

"Zum Eisenbahnerfest am 3. September wird sie erstmals offiziell präsentiert", sagt Beinert. Er selbst will die Besucher an diesem Tag über das Bahnhofsgelände führen, auf dem noch weitere historische Bahnen stehen. Alle von ihm gebaut. "Und alle sind auch früher durch Gerbstedt gefahren. Jetzt ist daraus ein richtiges Eisenbahnmuseum geworden", sagt Beinert.

Dass sich der 77-Jährige das 1,5 Tonnen schwere und aufwendig mit Kelle, Raspel und Sandpapier herzustellende Prachtstück bis zuletzt aufgehoben hat, war Absicht. "Das Interessante an der Lok ist, dass sie es aus eigener Kraft den Berg in Richtung Helmsdorf nicht geschafft hätte. Sie brauchte eine zweite Lok, die sie anschob." Auch die hat Beinert aus Beton geformt und sie hängt - wie früher die echte - hinter den Waggons. Aus den Glasfenstern der Passagierwagen schauen insgesamt 84 Passagiere, darunter sogar eine Schulklasse mit weißen Uniformen. "Eigentlich kann man in jedem Waggon, egal ob Holzklasse oder I. Klasse, etwas entdecken", sagt Beinert.

Die Mütter mit Kinderwagen und die Herren, die im Raucherabteil auf Zigarren kauen, sind aus Phantasie und eigenen Erinnerungen an damals entstanden. Für den Nachbau der Bahn an sich hat er sich Zeichnungen und alte Fotos besorgt. "Das ist eine tolle Sache", staunt auch Helmut Schrader, Mitglied beim Verein "Freunde der Halle-Hettstedter-Eisenbahn" über das Ergebnis. Seit vier Jahren setzt sich der Verein, und im Speziellen die Ortsgruppe Gerbstedt, für die Belebung der stillgelegten Bahnstrecke Halle-Hettstedt und des Gerbstedter Bahnhofs ein. "Zu besonderen Anlässen wollen wir wieder Verkehr auf den Schienen anbieten", sagt Schrader. Eine regelmäßig fahrende Museumslok sei aber finanziell nicht zu stemmen. Deshalb ist er umso dankbarer, dass Lokbauer Beinert zumindest im Miniaturformat den Gerbstedt Bahnhof neues Leben einhaucht.

Nach diesem Groß-Projekt bleibt Günther Beinert aber wenig Zeit zum verschnaufen. Der nächste Auftrag wartet schon. Für die Freundin seines Enkels soll er die Schweineburg in Bornstedt nachbauen. Natürlich wie alle seine Kunstwerke: aus Beton.

MZ

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