Mittwoch, den 15. Dezember 2010 um 12:51 Uhr

Show und Fettbemmen für die Fans

Geschrieben von  MZ
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EISLEBEN/MZ. Auf der kleinen Insel, links von Sumatra, da müssen sie wohnen. Woher wüssten sie sonst alles über diese Handkanten-Orang-Utans, die eine ganze Schiffsladung Dachziegel (Frankfurter Pfanne) kaputt jeschlahn ham. "Das ist doch alles nur Jegahkle", würde Sven da wohl erwidern.

Nein, Sven und Gilli wohnen nicht in fernen Ländern, obwohl sie so etwas wie Exoten sind. Jeder glaubt sie zu kennen oder etwas über sie zu wissen. Doch nur Freunde haben je mit ihnen auf der heimischen Couch gesessen. Und das soll auch so bleiben. "Unser Privatleben geht keinen was an", sagt Gilli, 35, und gelernter Klempner. Obwohl er einmal, ganz am Anfang des Gesprächs, sagt: "Wir sind Ingenieure." Da hat er vielleicht nicht ganz Unrecht. Denn gebe es so etwas wie einen Ingenieur für Unterhaltungskunst, der Titel müsste den beiden vom Duo "Elsterglanz" ehrenhalber verliehen werden. Fast 40000 Besucher sahen in diesem Jahr die 38 Auftritte der beiden. Allein mehr als 4000 davon kamen zu den drei Vorstellungen in der Eisleber Tennishalle.

Wie sie sich selber sehen? "Ja, was sind wir eigentlich?", fragt Sven. Und sinniert. Ohne allerdings zu einem Ergebnis zu kommen. "Die Leute sollen einfach nur Spaß haben. Dann haben wir ihn auch", sagt er. "Die Magie muss stimmen." Wobei dass mit der Magie so eine Sache ist, wie Gilli weiß.

Denn an seine Jeanette, die im Netto an der Kasse sitzt, kommt er nicht ran. Netto-Verbot, Deutschland weit. Also flugs das Buch "Schwarze Magie leicht gemacht" zur Hand genommen und nach Wegen gesucht. Aber wieso eigentlich beschreiben wollen, was Zehntausende in diesem Jahr gesehen haben. Erstens ist die Tour vorbei und zweitens lässt sich das Programm "Die Brutalität im Weltall nimmt zu" genau so wenig beschreiben, wie man Gras wachsen hört. Man muss es einfach nur erlebt haben.

Dabei wollten Sven Wittek (39) und Gilbert Rödiger (35), die sich "schon ewig" kennen, eigentlich mal mit Freunden als Rockband auf der Bühne stehen. Doch irgendwie kam es anders. "Wir haben schon immer mal rumgeblödelt", erzählt Gilli. Und zu Weihnachten gab es für die Freunde eine Tonbandkassette mit schrägen Geschichtchen. "Das hatte aber noch nichts mit Elsterglanz zu tun", sagt Sven. Das mit den Späßen ging auch dann weiter, als beide der Arbeit wegen 1997 nach Wiesbaden zogen. Aus Kassetten wurden CDs. Aber immer nur Weihnachten. Und immer nur zehn Stück für die guten Freunde. Doch irgendwie müssen die Tonträger ein ungeahntes Eigenleben entwickelt haben. Dank Internet schien bald die halbe Welt "Elsterglanz" zu kennen. Wer als erster meinte, sie sollen doch mit ihren Sachen auf die Bühne gehen, weiß keiner mehr. Aber beide sträubten sich viele Jahre heftig. "Wir haben uns das einfach nicht vorstellen können. Wenn du im Studio sitzt, kannst du alles, was dir nicht gefällt, wieder löschen. Aber live muss es ja passen", erzählt Sven.


Bis es am 21. Dezember 2006 doch soweit war. Im Eisleber Wiesenhaus absolvierte "Elsterglanz" seinen ersten öffentlichen Auftritt. "Ich konnte eine Woche nicht pennen", erinnert sich Sven. Bei Gilli sollen es sogar fünf gewesen sein. Und nur ein paar Wochen später tobte das Publikum schon im ausverkauften hallischen "Steintor". Denn zur Premiere waren auch Vertreter einer Konzertagentur unter den Gästen. Der Wahnsinn sei es gewesen, was dann folgte.

Wie am ersten Tag schreiben die Eisleber alle ihre Nummern selbst. Und das kann dauern. "An manchen Tagen gucken wir uns nur an und es kommt nichts dabei raus", erklärt Sven. Ohnehin sei es so, dass nur übrig bleibt, worüber die beiden auch nach dem 200. Mal noch lachen können. Was auf der Bühne so leicht aussieht, erfordert riesigen Aufwand. Vor allem auch personellen. "Freilich stehen wir da oben im Rampenlicht, aber ohne unsere Kumpels läuft nichts", sagt Gilli. Die Freunde seien es auch, welche dafür sorgen "dass wir nicht abheben." Und wer, wenn nicht eine Heerschar fleißiger Frauen und Freundinnen würde Backstage fürs Essen und Getränke sorgen oder die mehr aus tausend Fettbemmen, die in der Pause für die Fans bereitstehen, schmieren?

Ohnehin bekommen die Eisleber zum Abschluss der Tournee immer ein paar Extras geboten, wie den Feuerstrahl aus Svens Gitarre, den ersten selbst fahrenden Einkaufswagen der Welt oder eine pyrotechnische Seeschlacht mit Schiffen aus Styropor, an denen bis kurz vor Beginn gewerkelt wurde. Ausprobiert werden kann da nichts mehr. Es muss halt stimmen. Am Ende sagte Sven: "Weeste Gilli. Ich glowe, es is besser, mir machen an der Stelle Schluss." Um Himmels willen. Aber eine schöpferische Pause muss sein. "Elsterglanz" live gibt es erst wieder im Frühjahr 2012

Zuletzt geändert am: Mittwoch, den 15. Dezember 2010 um 15:36 Uhr
MZ

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