Samstag, den 13. November 2010 um 00:24 Uhr

Zehntausende Liter Säure sind weg

Geschrieben von  MZ
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HELBRA/MZ. Der Salpetersäure-Skandal in Helbra (Landkreis Mansfeld-Südharz) nimmt immer größere Dimensionen an: Nach MZ-Informationen hatte die Neue Mansfelder Bergwerkschaft (NMB) nicht 50 000 Liter, sondern sogar 140 000 Liter eines Gemischs aus Salpeter- und Flusssäure auf einem Betriebsgelände gelagert. Dies geht aus Lieferpapieren der Firma Schott an die NMB hervor. Die entsprechenden Entsorgungs- und Verwertungsnachweise liegen beim Landesverwaltungsamt in Halle vor, wie die Behörde am Donnerstag bestätigte. Inzwischen ist aber das Säuregemisch bis auf einen einzigen Tank mit 1 000 Litern verschwunden. Wohin, ist völlig offen.

Die Polizei in Halle ermittelt wegen des Verdachts der umweltgefährdenden Abfallbeseitigung. Sprecherin Ulrike Diener bestätigt, dass man nach Prüfung von Firmenunterlagen davon ausgeht, dass die NMB 140 000 Liter Säure geliefert bekam. Ein beträchtlicher Teil davon sei auf dem Gelände am Helbraer Ernst-Schacht versickert. Seit dem Frühjahr waren das laut Diener zwischen 30 000 und 50 000 Liter. In der vorigen Woche waren die Behörden noch von lediglich 1 000 Litern ausgegangen. Bislang hat eine Entsorgungsfirma über 200 Tonnen säureverseuchtes Erdreich ausgebaggert und neutralisiert. Bei den Arbeiten laufe immer noch Säure nach.

Arbeiten vorübergehend gestoppt

Auftraggeber für die Entsorgung war NMB-Geschäftsführer Michael du Bois. Dieser hatte am Dienstag die Firma angewiesen, die Arbeiten einzustellen. Gegenüber dem Umweltamt des Kreises Mansfeld-Südharz habe er erklärt, weitere Maßnahmen seien nicht notwendig. Der Kreis aber pocht auf die Gefahrenabwehr. Deshalb sei die Fortführung der Arbeiten angeordnet worden, sagte eine Landkreissprecherin. Die Kosten wolle man sich von NMB erstatten lassen. Im Gespräch sind derzeit 150 000 Euro.

Erklärung angekündigt

NMB-Chef du Bois soll indes den Behörden erklärt haben, er habe die Säure bei Versuchen zur Auslaugung von Metallen aus so genannten Arm-Erzen verbraucht. Dies wird aber von den zuständigen Stellen als abwegig bezeichnet, da es bislang auf dem Firmengelände keine Technik für solche Laugungsverfahren gebe. Du Bois hat nun für kommenden Montag eine Erklärung angekündigt.

Der an dem Forschungsprojekt beteiligte hallesche Universitätsprofessor Gregor Borg hatte gegenüber der MZ erklärt, dass du Bois wohl etwas vorschnell die Säure eingelagert habe. Denn derzeit liefen noch Experimente für eine mechanische Konzentration des aus alten Bergbau-Halden stammenden Erzmaterials. Mit Laugungsversuchen in einer Pilotanlage sei frühestens 2012 zu rechnen. Allerdings nur dann, wenn Laborversuche erfolgreich verliefen, so Borg.

MZ

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